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Zug um Zug mehr Schiene in Brandenburg? Nicht im Barnim und in der Uckermark. DBV kritisiert Abbestellung

Eigentlich sollte schon zum Fahrplanwechsel im Dezember 2021 Schluss sein mit dem Probebetrieb im 2 Stunden-Takt zwischen Joachimsthal und Templin. Land und Kommunen einigten sich wegen den eingebrochenen Fahrgastzahlen während des Corona-Jahres 2020 auf ein weiteres Jahr Probebetrieb. Jetzt hat Brandenburgs Verkehrsminister Guido Beermann (CDU) bekannt gegeben, dass im Dezember 2022 Schluss ist. Die Züge sollen nur noch zwischen Eberswalde und Joachimsthal fahren. Hinzu kommen einige Grundfehler des Probebetriebs, die die Ausgangsbedingungen nicht verbessert haben. Der DBV-Länderverband Nordostdeutschland ist enttäuscht, dass der Probebetrieb nicht verlängert wird. Denn auch in 2022 sind die Fahrgastzahlen nicht wesentlich anders als in 2021. Corona ist halt auch 2022 noch nicht vorbei.

Zu wenig Fahrgäste seien es gewesen erklärt die Brandenburger Landesregierung in ihrer Antwort 7/1565 auf eine Kleine Anfrage von Christian Görke (Fraktion Die Linke). 300 Fahrgäste hätten es im Schnitt sein müssen. So wurde es in 2017 vereinbart, als der Probebetrieb mit finanzieller Unterstützung der Landkreises mit dem Brandenburger Verkehrsministerium vereinbart sei. Dann kam Corona. So ist es nicht verwunderlich, dass die Landesregierung für 2020 und 2021 gar keine Fahrgastzahlen mehr nennt, sondern nur noch auf die für 2019 verweist: 200 Fahrgäste am Wochenende, 2018 waren es noch 100.

Abgesehen von der Tatsache, dass auch in 2022 wie 2021 die Fahrgastzahlen wegen den Einschränkungen und Auswirkungen der Corona-Pandemie keinesfalls zur Beurteilung des Weiterbetriebes herangezogen werden dürften, krankt das ganze Angebot an praktischen Mängeln, die die Nutzung unattraktiv machen.

Zwischen Joachimsthal und Templin fahren die Züge nur im 2-Stunden-Takt. Das führt dazu, dass viele Berufspendler, die ihren Arbeitsplatz in Berlin haben, weiterhin mit dem Auto nach Eberswalde und mit dem RE 3 nach Berlin weiterfahren.

Die Uckermark ist der Geheimtipp für Touristen und Ausflügler am Wochenende. Hier hätte die RB 63 eine Lücke füllen können, wenn die Anreise mit der Bahn aus Berlin nicht so risikoreich und anstrengend wäre. Schon seit vielen Jahren ist die Linie RE 3 nach Stralsund (Ostsee) die „Horrorlinie“ für Fahrgäste und Personal am Wochenende. Eine Belegung der Züge von 200 % ist keine Seltenheit. Seit genauso vielen Jahren ist dieses Problem bekannt, ohne dass es ernsthaft angegangen wird. So kommt es dazu, dass spätestens in Gesundbrunnen, dem letzten Halt auf Berliner Stadtgebiet, 15 Minuten Standzeit der Normalfall sind. Immer noch mehr Fahrradfahrer mit ihren Rädern und weitere Fahrgäste in wollen in den Zug. Dann ist der Anschluss in Eberswalde weg und eineinhalb Stunden Wartezeit zur Weiterfahrt sind abschreckend. Auf der Rückfahrt jeden Tag am Wochenende das gleiche Bild. Vielfach bleiben auch einzelne Fahrradfahrer (Gruppen sowieso nicht) auf dem Bahnsteig zurück.

Die RB 63 hätte hier zur Entspannung der Situation beitragen können, wäre sie bis Bernau verlängert worden. Hier besteht Anschluss zur S-Bahn – und die fährt mit deutlich mehr Fahrradkapazitäten in einem dichteren Takt (alle 20 Minuten). Das Umsteigen in Eberswalde wäre entfallen und der Ärger beim Ein- und Ausstieg aus dem völlig überfüllten RE 3 ebenfalls.

Der Betrieb zwischen Joachimsthal und Templin ist vom Land nie wirklich gewollt worden. 2017 willigte das Brandenburger Verkehrsministerium nur deshalb ein, weil Landkreis, Ämter und Gemeinden zehn Jahre lang das Thema immer wieder bei jeder sich bietenden Gelegenheit angesprochen haben.

Jetzt hofft der DBV, dass der Protest gegen die Abbestellung dazu beiträgt, dass es doch noch weitergeht mit den Zügen zwischen Joachimsthal und Templin. Denn die Landschaft, der Erholungswert und das nicht nachlassende Engagement der Kommunen haben es verdient.

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